Tierheilpraktikerin Henriette Scharfenberg im Interview

Tierheilpraktikerin

Tierheilpraktiker BerlinLeider ist schon wieder etwas Zeit vergangen, seit unserem letzten Interviewgast. Zuletzt durften wir der Tierpsychologin Tina Krogull und der Katzenpsychologin Kerstin Höfkes einige Fragen stellen.

Nicht zu vergessen das interessante Interview mit Björn Ertle, dem Erfinder des Miaufinder 1 und Miaufinder 2 und natürlich die beiden Gastbeiträge (Gastbeitrag 1, Gastbeitrag 2) der bekannten Tierkommunikatorin Catherin Seib, die bereits einen Auftritt bei RTL zur ihrem Thema hatte.

Wir bekommen viele Nachrichten, dass wir doch öfters Interviews mit interessanten Menschen aus dem Tierbereich führen sollen.

Dem möchten wir natürlich nachkommen und begrüßen heute Henriette Scharfenberg. Sie ist Tierheilpraktikerin und zudem Heilpraktikerin für uns Zweibeiner. Eine spannende Mischung. Beheimatet ist sie im schönen Berlin. Hier hilft sie mit ihrer naturheilkundlichen Tierheilpraxis ihren tierischen Klienten.

Die erste Frage muss natürlich lauten: warum sind Sie Tierheilpraktikerin geworden?
Das hat mehrere Gründe und reicht weit zurück. Ich habe mich schon als Kind zu Tieren hingezogen gefühlt, und das hat sich mein ganzes Leben gehalten. Gegen Ende der Schulzeit hatte ich im Sinn, Tiermedizin zu studieren, was ich letztlich dann doch nicht gemacht habe. Ich habe zunächst einen anderen Weg eingeschlagen, der mit Tieren gar nicht zu tun hatte. Irgendwann war ich in dieser Tätigkeit nicht mehr zufrieden und habe mich nach Alternativen umgeschaut. Dabei bin ich auf den Beruf des Tierheilpraktikers gestoßen und war ganz erfreut, dass man nebenberuflich eine Ausbildung machen konnte, die der Tiermedizin verwandt war und sogar mit besonders sanften Therapieverfahren arbeitet.

Wo und wie kann man den Beruf des Tierheilpraktikers erlernen?
Inzwischen gibt es zahlreiche Schulen. Ich würde auf jeden Fall eine empfehlen, die auch Präsenzunterricht und Praxisphasen anbietet, keine reine Online-Schule. Ich selbst habe bei der ATM gelernt, die ihren Sitz in Bad Bramstedt hat, aber in zahlreichen deutschen Städten Wochenendunterricht anbietet. Lediglich die geblockten Vertiefungen und die Praktika haben in Bad Bramstedt stattgefunden. Und natürlich die Prüfung, die den Abschluss der Ausbildung gebildet hat. Gelehrt werden sollten Anatomie, Physiologie und Pathologie bestimmter Tierarten und natürlich ein oder mehrere Therapieverfahren.

Nach Abschluss der Ausbildung ist es aber nicht vorbei mit dem Lernen, man sollte sich regelmäßig fortbilden, um fit und auf dem aktuellen Stand zu bleiben.

Was genau ist eigentlich ein Tierheilpraktiker und welche Behandlungsmethoden werden angewendet?
Tierheilpraktiker sind quasi das Pendant zu Heilpraktikern für den Menschen, also Personen, die – im Rahmen der rechtlichen Vorschriften – Tiere mit alternativen Therapien behandeln. Ich selbst arbeite vorwiegend mit klassischer Homöopathie, gelegentlich auch mit Akupunktur oder Blutegeltherapie. Es gibt aber auch weitere Therapieverfahren, wie die Arbeit mit Kräutern (Phytotherapie) oder körperliche Therapien wie die Osteopathie.

Welche Fähigkeiten benötigt man für Ihren Beruf?
Natürlich braucht man eine Affinität und die Liebe zu Tieren. Wichtig sind aber auch gute kommunikative Fähigkeiten, denn die Tierhalterinnen und Tierhalter brauchen oft auch sehr intensive Beratung. Meistens betreut man die gleich mit.

Wie erkenne ich seriöse Tierheilpraktiker? Gibt es eine Art Datenbank?
Es ist gut, dass Sie das ansprechen, es gibt nämlich keine staatlich oder gesetzlich geregelte Ausbildung für Tierheilpraktiker. Als ein Qualitätskriterium würde ich einstufen, dass ersichtlich wird, wo die betreffende Person ihre Ausbildung gemacht hat. Man kann dann dort nachschauen, wie fundiert die Ausbildung ist. Und es sollte deutlich werden, welche Fortbildungen sie besucht hat.

Einfacher ist es aber, sich an einen Verband zu wenden, die haben in der Regel eine Datenbank ihrer Mitglieder und achten darauf, dass diese regelmäßig Fortbildungen besuchen. Ich bin z. B. Mitglied beim Fachverband niedergelassener Tierheilpraktiker (FNT) e.V.

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei Ihnen aus?
Ich habe eine rein mobile Praxis, das heißt, ich fahre zu meinen Patienten nach Hause. Dort findet beim ersten Besuch eine ausführliche Fallaufnahme statt, außerdem untersuche ich das Tier auch. Da ich meistens homöopathisch arbeite, nehme ich dann zu Hause die Auswertung vor und wähle das passende Mittel für den aktuellen Zustand des Tiers. Oft kommen auch telefonische Rückmeldungen nach den Behandlungen, dann überlege ich, wie wir weiter vorgehen. Manche Tierhalterinnen und Tierhalter benötigen auch einfach nur eine Beratung, z. B. wenn die Katze unsauber wird.

Haben Sie sich auf ein bestimmtes Gebiet spezialisiert?
Therapeutisch, wie schon gesagt, auf die klassische Homöopathie, in der man mit Einzelmitteln arbeitet, die auf die aktuelle Symptomatik des Tiers abgestimmt sind.

Was Tierarten angeht, behandle ich fast ausschließlich Kleintiere, also vor allem Hunde und Katzen, gelegentlich auch Kaninchen oder Meerschweinchen.

Kommen die tierischen Patienten zu Ihnen oder machen Sie Besuche vor Ort?
Ich mache ausschließlich Hausbesuche. Das ist angenehmer für die Tiere und die Tierhalter, und ich kann mir ein gutes Bild von der Situation vor Ort machen. Manchmal sind ja auch die Umgebungsbedingungen mit ursächlich für die Erkrankung.

Generell werden alternative Heilmethoden immer beliebter. Spüren Sie davon auch etwas als Tierheilpraktikerin?
Ja, teilweise ist das spürbar. Vor allem Menschen, die für sich selbst Behandlungen mit Homöopathie oder Akupunktur in Anspruch nehmen, suchen so etwas auch für ihre Tiere. Oft ist es aber auch so, dass die Menschen mich als letzten Ausweg sehen, nachdem die schulmedizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Dann kommen manchmal Hinweise aus dem Freundeskreis, dass sie es doch mal mit einem Tierheilpraktiker versuchen sollen.
Gibt es Krankheiten die Sie besonders häufig behandeln?

Immer häufiger sind Allergien der Grund, warum mich Leute anrufen. Das hängt sicher oft mit den Rahmenbedingungen zusammen wie Ernährung oder übermäßig häufige Impfungen. Auch Magen-Darm-Probleme sind häufig, also Erbrechen oder Durchfall. Das ist dann ganz dankbar, weil es sich meist schnell beheben lässt.

Sie halten ja auch Vorträge und geben Seminare. Zu welchen Themen sprechen und lehren Sie und wie läuft eine Zusammenarbeit ab?
Vorträge halte ich zu verschiedenen Themen. Teils stelle ich meine Therapieverfahren vor, teils gibt es Vorträge zur artgerechten Fütterung von Hunden und Katzen, teils auch zu anderen Themen wie Homöopatische Notfallmittel oder Impfungen.

Seminare habe ich bislang zur 1. Hilfe für Hundehalter angeboten und zu Homöopathie in Akutfällen. Ein Seminar zu Homöopathie in chronischen Fällen ist für das nächste Jahr geplant.

Wenn Vorträge oder Seminare vor Ort hier in Berlin oder im Umland gewünscht sind, kann man mich ansprechen – ab Gruppen von vier Personen mache ich gerne eine persönliche Veranstaltung. Ansonsten finden sich die meisten Angebote als Webinare auf meiner Edudip-Akademie (https://www.edudip.com/academy/henriette.scharfenberg).

Auf Ihrer Website sprechen Sie das konventionelle, günstige Fertigfutter an. Gerade Trockenfutter ist ungesund für Katzen, da es dem Körper sehr viel Wasser entzieht. Dadurch trinkt das Tier wiederum zu viel. Langfristig können die Nieren geschädigt werden und es kann zu Nierenversagen kommen, der häufigsten Todesursache bei Katzen.
Auch die Behauptung Trockenfutter reinigt die Zähne, wird durch den hohen Zuckeranteil im Futter widerlegt. Zudem leiden, nach meiner Erfahrung, Katzen die mit Trockenfutter gefüttert werden häufig an Mundgeruch.
Die Fütterung ist aber so schön einfach, macht keinen Schmutz und ist zudem günstig. Der Käufer wird im Supermarkt mit Aufdrucken, wie „Bio- oder Premium-Qualität“, gelockt. Enthalten ist meist billigster Industrieabfall. Aber wie erkennt man als Verbraucher ein hochwertiges Katzenfutter?
Ja, das ist eine gute Frage, die viele Tierhalterinnen und Tierhalter umtreibt. Es ist nicht leicht, sich im Futtermitteldschungel zurecht zu finden, zumal die Vorgaben, was deklariert werden muss, nur sehr begrenzt sind.

Festhalten kann man, wie schon von Ihnen erwähnt, dass Trockenfutter schlecht für Katzen ist. Nicht nur dass es überhaupt keine Wirkung auf die Zahnreinigung hat, weil das Gebiss der Katzen so beschaffen ist, dass es die Bröckchen einfach nur zersprengt und gar nicht an die Stellen am Zahnfleischansatz herankommt, wo sich der Zahnstein bildet. Für Katzen ist es besonders problematisch, weil die in einen permanenten leichten Austrocknungszustand kommen, sofern das Trockenfutter nicht eingeweicht wird. Normalerweise müsste 3 x so viel Wasser aufgenommen werden, wie Trockenfutter gefressen wird, das macht keine Katze. Aber selbst wenn sie viel trinken, erfolgt ja die Wasseraufnahme etwas verzögert zur Futteraufnahme, und dadurch besteht eine permanente leichte Dehydrierung. Und das ist es, was letztlich auch für die Nieren schädlich ist.

Nun gibt es aber bekanntermaßen „Trockenfutterjunkies“ unter den Katzen. Wenn man so jemanden hat, sollte man darauf achten, dass das Trockenfutter einen möglichst hohen Anteil an Muskelfleisch hat und getreidefrei ist. Und eventuell versuchen, das Trockenfutter einzuweichen, um der Dehydrierung vorzubeugen.

Auch bei Dosenfutter plädiere ich für getreidefreie Fütterung, weil der Darm der Katzen sehr kurz und nicht darauf ausgelegt ist, Getreide zu verdauen. Auch hier sollte der Anteil an Muskelfleisch möglichst hoch sein. Einigermaßen seriöse Hersteller erkennt man daran, dass sie relativ genau deklarieren, was im Futter drin ist.

Die gesündeste Ernährung für Katzen ist allerdings die Rohfütterung (BARFen). Das ist auch gar nicht so kompliziert, wie man es sich vorstellt. Man kann das Fleisch sehr gut portionsweise einfrieren und dann nach Bedarf auftauen. Wichtig ist hierbei, dass man Supplemente zugibt, vor allem Taurin (das in etwas Wasser aufgelöst werden muss) und ein Calciumpräparat, evtl. auch eine Vitamin-Mineralstoffmischung.

In einem vorherigen Artikel gehen wir auf das Anifit Katzenfutter ein. Hier wird sehr viel Wert auf eine qualitativ hochwertige und vor allem artgerechte Nahrung gelegt. Frage an die Expertin: Welchen Einfluss kann das Futter auf das Wohl und die Gesundheit unserer Tiere haben? Und anders gefragt: Kann bei bestimmten Krankheiten eine Futterumstellung helfen?
Die Ernährung ist ganz essentiell für die Gesundheit der Tiere, und das kann man sich ja auch vorstellen. Wenn das Tier gesund ernährt wird, kann das Immunsystem effektiv arbeiten, und so wird Krankheiten vorgebeugt.

Eine Futterumstellung hilft auch bei vielen Erkrankungen. Da kommt es natürlich ganz darauf an, um welche Erkrankung es sich handelt. Gerade bei Allergien hilft es z. B. oft, auf getreidefreie Fütterung umzustellen. Meist braucht es da auch eine Ausschlussdiät, also die Fütterung nur einer Fleischsorte über einen längeren Zeitraum, um zu sehen, ob damit die Symptomatik besser wird.
Auch bei Gelenkentzündungen, bei Epilepsie und bei Krebserkrankungen hat sich eine getreidefreie Fütterung als hilfreich erwiesen.

Ansonsten ist eine Diät natürlich abhängig von der Art der Erkrankung – bei Leberbeschwerden werden z. B. die Fütterungsempfehlungen anders aussehen als bei Nierenerkrankungen.

Eine Futterumstellung, weg vom minderwertigen Futter hin zu einer artgerechten und gesunden Ernährung, ist nicht immer so einfach und kann einige Tage dauern, bis das Tier das neue Futter akzeptiert. Grund sind die enthaltenen Lockstoffe und Geschmacksverstärker im minderwertigen Futter (Zusatzstoffe sollen das Billigfutter „aufhübschen“ und wohlriechender machen).
Wie kann aus Ihrer Sicht die Futterumstellung gelingen?
Bei Katzen kann das manchmal etwas herausfordernd sein, weil die als Welpen von ihrer Mutter lernen, was Futter ist und später anderes nicht mehr unbedingt als solches einstufen. Katzen darf man auch nicht lange hungern lassen, weil das zu Leberschäden führen kann, so dass es mit der Konsequenz etwas schwierig ist.

Ein paar Tricks können sein, auf das neue Futter etwas zu geben, was die Tiere besonders mögen, z. B. Thunfisch oder Leberwurst oder etwas gemahlenes Trockenfutter. Manchmal hilft es auch, eine kleine Menge an einem ungewöhnlichen Ort zu deponieren, so dass es wie ein gefundenes Leckerli erscheint.

Auf jeden Fall ist es hilfreich, wenn man auf feste Fütterungszeiten umstellt, sofern man das nicht ohnehin schon tut. Dann warten die Tiere auf das Futter und sind etwas interessierter. Wenn man arbeitet, könnte man auf vier Fütterungen pro Tag einstellen: beim Aufstehen, bevor man das Haus verlässt, bei der Rückkehr und vor dem Schlafengehen. Und natürlich sollte man, wenn man eine Umstellung plant, nicht das eigentlich bevorzugte schlechte Futter daneben stehen haben, denn dann wird sich die Katze immer für das Bekannte entscheiden.
Teilweise kann man auch altes und neues Futter mischen, nur beim Barfen macht sich das nicht so gut, weil rohes Fleisch eine andere Verweildauer im Magen hat als Fertigfutter.

Welche Alternativen gibt es, wenn man nicht jeden Tag frisch für das Tier kochen möchte oder kann?
Das habe ich eigentlich vorher schon beantwortet. Man kann die selbst zubereiteten Rationen einfrieren und dann portionsweise auftauen. Oder man wählt ein hochwertiges Dosenfutter und wechselt das mit den selbst zubereiteten Rationen ab.

Ich selbst habe das Buch „Katzen würden Mäuse kaufen“ mit großem Interesse gelesen, und es sollte meiner Meinung nach in jedem Tierhaushalt stehen, damit den Frauchen und Herrchen dieser Welt klar wird, auf was bei der Fütterung geachtet werden muss und was man seinen Tieren mit ungesundem Billigfutter eigentlich antut.
Haben Sie selbst ein Buch, welches Sie empfehlen können?
Das ist im Hinblick auf die Futtermittelindustrie immer noch ein sehr wichtiges Buch, das ich auch selbst gern empfehle. Da werden einem wirklich die Augen geöffnet.

Ein weiteres empfehlenswertes Buch, in dem es aber nicht nur um Futter, sondern auch andere Themen der Tiergesundheit geht, ist das Buch „Hunde würden länger leben, wenn… Schwarzbuch Tierarzt“ von Dr. Jutta Ziegler. Da geht es auch nicht nur um Hunde, sondern ebenso viel um Katzen.

Vielen Dank Frau Scharfenberg für das ausführliche Interview. Ich wünsche Ihnen alles Gute und viele gute Erfahrungen mit Ihren tierischen Klienten.

Kontakt
Henriette Scharfenberg  //  Tierheilpraktikerin  //  www.thp-scharfenberg.de

Buchtipps


Kommentar schreiben

*


Noch keine Kommentare